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SchoolMatters




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24. September 2021

09 Umsetzung und Verankerung für alle Stufen

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9.3 Schritte zur erfolgreichen Umsetzung

Ob die Umsetzung des MindMatters/SchoolMatters-Programms erfolgreich verläuft, ist sowohl von den nachstehenden Handlungsschritten als auch von diesen Faktoren abhängig:

  • ein engagiertes und zuverlässig arbeitendes MindMatters-Schulteam,
  • ein hohes Mass an Partizipation möglichst vieler Akteurinnen und Akteure der Schule (d.h. Schulleitung, Lehrpersonen, nicht-unterrichtendes Personal, Eltern, Schüler:innen und externe Kooperationspartner:innen),
  • Optimismus, Geduld und Zeit,
  • Bereitschaft, auf Altbewährtem aufzubauen und Neues zu entdecken.

Sobald eine partizipativ getroffene Entscheidung für die Arbeit mit MindMatters vorliegt, empfehlen wir, wie folgt vorzugehen. Beachten Sie hierzu die Tools 1–9 (siehe Box), die Ihnen dabei zur Verfügung stehen.

9.3 Übersichtsgrafik Schritte zur erfolgreichen Umsetzung inkl. Tools

1. Kontakt aufnehmen
Ihre erste Anlaufstelle ist die kantonale Koordinationsstelle oder, falls es diese in Ihrem Kanton (noch) nicht gibt, die nationale Koordinationsstelle. Hier finden Sie Ihren Kontakt: www.mindmatters.ch/kontakt. Ihre Ansprechperson informiert Sie über das Schulungsangebot und die Beratung sowie die Bedingungen in Ihrem Kanton. Die MindMatters-Berater:innen geben dem Team Inputs und unterstützen den Prozess.

2. Ein MindMatters-Schulteam beauftragen (vgl. Tool 1)
Um den Prozess in Gang zu setzen, wird zunächst ein MindMatters-Schulteam gegründet. Das Team besteht mindestens aus der Schulleitung, einer oder zwei Lehrpersonen und der Schulsozialarbeit, die alle motiviert sind, MindMatters umzusetzen. Idealerweise machen sich z.B. ganze Stufenteams gemeinsam auf den Weg. Dabei wird eine Person des Teams mit der Leitung beauftragt, sie ist auch die Kontaktperson zu MindMatters.ch. Die Rollen können wie folgt verteilt werden:

9.3 Rollen und Aufgaben Mindmatters Team Rollen und Aufgaben MindMatters-Team in der Schulentwicklung

Kernfragen für das Team:

  • Wie oft muss sich das MindMatters-Schulteam in den einzelnen Phasen treffen?
  • Welche Ressourcen stehen zur Unterstützung der Arbeit des MindMatters-Schulteams zur Verfügung? Wer sind potenzielle Partner:innen?
  • Welche Informations- und Kommunikationsstrukturen werden genutzt?
  • Wie werden Lehrpersonen, Schüler:innen, Eltern, Schulleitung und Schulumfeld informiert?

3. MindMatters-Schulteam schulen und unterstützen
Das MindMatters-Schulteam nimmt an einer internen oder externen Schulung/Weiterbildung teil (zwei Halbtage oder ein ganzer Tag). Anschliessend begleitet und unterstützt eine professionelle MindMatters-Beratungsperson die Schule nach Bedarf. Dabei finden mindestens ein Input- und Zwischengespräch nach einem halben Jahr und ein Abschlussgespräch mit einer Diskussion für die langfristige Umsetzung nach ca. 1.5 Jahren statt. Die Schulung beinhaltet auch die Materialien und den Zugang zum MindMatters-Werkzeugkasten (www.mindmatters.ch > Werkzeugkasten).

4. Situation der eigenen Schule analysieren und diskutieren (Tools 2, 3a, 3b & 4)
Ausgangspunkt zur Förderung der psychischen Gesundheit in Schulen sollte eine strukturierte, umfassende Situationsanalyse sein (Schulleitung, Lehrpersonen, Schüler:innen, Eltern, nicht-unterrichtendes Personal etc.). Hierfür stehen MindMatters-Schulen im Werkzeugkasten die Tools 2–3 zur Verfügung. Für die Schulleitung steht mit dem Tool 4 eine zusätzliche Checkliste zur Verfügung.

Unter www.feel-ok.ch/sprint-mm gibt es ergänzend ein Online-Tool z.B. für die Befragung der Schüler:innen, um herauszufinden, wo diese zu verschiedenen Themen stehen oder was sie beschäftigt. Auch die Qualitätskriterien des Schulnetz21 zu Strukturen, Partizipation und der psychosozialen Gesundheit sind eine mögliche Ausgangslage. Diese sowie auch eine Anleitung für eine Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT) finden Sie unter Tool 2 oder auch unter www.schulnetz21.ch/instrumente. Durch die Situationsanalyse werden spezifische Stärken und Schwächen der Schule deutlich, aus denen sich zentrale Handlungsfelder und Entwicklungspotenziale ableiten lassen.

5. Prioritäten und Ziele festlegen
Die Ergebnisse aus der Situationsanalyse werden nun bewertet und diskutiert, um die Prioritäten und Ziele festzulegen. Die Kernfragen zur Prioritätensetzung sind:

  • Welche Stärken/Ressourcen und Schwächen ergeben sich aus der Situationsanalyse im Umgang mit psychischer Gesundheit an unserer Schule?
  • Welche Themen sollten nach Meinung der Schüler:innen, Lehrpersonen, Schulsozialarbeit, Schulleitung sowie allenfalls auch Eltern und nichtunterrichtendem Personal behandelt werden?
  • Welche Methoden/Möglichkeiten gibt es, die psychische Gesundheit an unserer Schule ganzheitlich zu fördern?
  • Welche Ressourcen aus dem Umfeld unserer Schule oder von Gesundheitseinrichtungen stehen uns zur Verfügung (vgl. Box)?

Box: Die Ressourcen von MindMatters
Folgende Module stehen zur Verfügung und können nach Bedarf kombiniert und mit bestehenden Ressourcen kombiniert werden:

  • Die Inhalte aus SchoolMatters legen eine Basis, es können aus den unterschiedlichen Themen Schulprojekte aufgegleist werden oder in die laufende Schulentwicklung integriert werden.
  • Die Unterrichtsmodule «Gemeinsames Lernen mit Gefühl» für die Zyklen 1 und 2 sowie «Stark fürs Leben» im Zyklus 3 geben Inputs, um die psychische Gesundheit in den Unterricht zu integrieren.
  • Bei neuen Klassen oder in Tagesstrukturen hilft «Freundinnen/Freunde finden, behalten und dazugehören» den Teamgeist und die Beziehungen z.B. beim Übergang in den 2. oder 3. Zyklus zu fördern.
  • Die Vertiefungsmodule für die Zyklen 2 – 3 ermöglichen ein Thema z.B. «Mobbing nicht in unserer Schule!» oder «Mit Stress umgehen, im Gleichgewicht bleiben» etc. vertieft anzugehen.

Weitere Infos zu den Modulen finden Sie im Kapitel 9.1. Alle Module sind anschlussfähig an vorhandene Aktivitäten und Ressourcen sowie auf den Lehrplan 21 adaptiert.

Für die Definition der Ziele kann auf die Qualitätsbereiche (siehe Kapitel 9.2 sowie Unterrichtsmodule) oder auf das Ziel und die Strategien von MindMatters (siehe www.mindmatters.ch/programm/ziel) zurückgegriffen werden. Diese übergeordneten Ziele werden am besten so heruntergebrochen, dass sie auch in nützlicher Zeit erreicht werden können. Dazu bestimmen Sie idealerweise Indikatoren, d.h. Antworten auf die Frage: «Woran erkennen wir, dass wir dieses Ziel erreicht haben?»

Nachfolgend ein Beispiel entsprechend dem MindMatters-Ansatz: «Entwicklung einer Schulkultur, in der sich alle Schulmitglieder sicher, wertgeschätzt und eingebunden fühlen. So wird die Schule zunehmend zu einem Ort, an dem man gerne ist.»

9.3 Beispiel Mindmatters Ansatz

6. MindMatters umsetzen (Tools 5, 6 & 7)
Vor der Umsetzung sollten folgende Kernfragen besprochen werden (weitere Fragen finden Sie im MindMatters-Werkzeugkasten, Tools 5–7):

  • Müssen Programme, Vereinbarungen oder Methoden spezifisch für unsere Schule/Situation entwickelt bzw. überarbeitet werden?
  • Gibt es Tabuthemen, um die alle wissen, die aber keine:r anzusprechen wagt? Wenn ja, warum?
  • Beeinträchtigen solche Tabuthemen möglicherweise die Umsetzung?

Nun wird das massgeschneiderte MindMatters-Programm umgesetzt. Dazu findet ein regelmässiger Austausch im Team statt. Die «MindMatters-Brille» wird in der Schulentwicklung, im Unterricht, an Sitzungen, Elterngesprächen und anderen Kooperationen sowie der Personalentwicklung aufgesetzt. Die Umsetzung wird durch die MindMatters-Beratungsperson nach Bedarf unterstützt.

7. Kollegium einbeziehen, die «MindMatters-Brille» langfristig verankern
Erfolg und Motivation sind ansteckend! Um während oder nach der Projektphase (Einführung von MindMatters) möglichst viele Kolleginnen und Kollegen zu motivieren, sind mehrmalige strukturierte Diskussionen und Reflektionen auf Konferenzen sinnvoll. Dabei kann z.B. folgende Frage erörtert werden: Wie können Aspekte der psychischen Gesundheit in unsere tägliche Arbeit integriert werden, damit diese effizienter und für alle angenehmer wird? Weitere Fragestellungen sind im Werkzeugkasten unter www.mindmatters.ch zu finden.

Haltung, Werte und pädagogische Überzeugungen, die auf einem positiven Menschenbild basieren und sich am Wohlergehen der Kinder und Mitarbeitenden orientieren, sollen Bestandteil der Vision, des Schulprogramms resp. der -strategien sein (vgl. Kapitel 9.4).

Idealerweise werden alle Belange der Schule mittelfristig durch die «MindMatters-Brille» angeschaut, entwickelt und umgesetzt. Wichtig ist auch, dass neue Mitarbeitende eingeführt werden. Hierfür ist die Schulleitung zuständig und kann zusätzlich einen Auftrag an die schulintern mit MindMatters beauftrage Person erteilen.

8. Zufriedenheit und Umsetzung überprüfen und reflektieren (vgl. Tool 9)
Es ist sinnvoll, die Situationsanalyse und anschliessende Diskussion regelmässig zu wiederholen. Es können auch Fragen in die Selbstevaluation der Schule einfliessen. Basierend auf der aktuellen Ausgangssituation kann das MindMatters-Programm dann laufend angepasst werden.

Kernfragen zur Ergebnisüberprüfung und zur zukünftigen Planung:

  • Was wurde erreicht? Sind die Veränderungen nachhaltig?
  • Welches Feedback gab es von: der Schulleitung, Sozialarbeit, Lehrpersonen, Schülerinnen/Schülern, Eltern, externen Kooperationspartnerinnen/-partnern, Beraterinnen/Beratern?
  • Welche der Qualitätsbereiche wurden abgedeckt (vgl. dazu Kapitel 9.2)?
  • Wodurch wurde die Arbeit des MindMatters-Schulteams unterstützt?
  • Welche Hindernisse gab es und wie wurde mit ihnen umgegangen?
  • Welche neuen Erkenntnisse gab es im MindMatters-Schulteam?
  • Welche Aspekte bei der Förderung der psychischen Gesundheit bedürfen noch weiterer Verbesserung?
  • Sind die Ergebnisse der Situationsanalyse ausreichend oder werden zusätzliche Informationen benötigt?