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SchoolMatters




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3. November 2021 | Cornelia Conrad Zschaber und Gaël Pannatier, RADIX Schweizerische Gesundheitsstiftung | Co-Autor: Roger Staub, Pro Mente Sana (Kapitel 5.3 und 5.5)

05 Herausforderungen im Umgang mit psychischer Gesundheit

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Einleitung

Dieses Kapitel wurde in Anlehnung an SchoolMatters D (2007) und in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Allianz BGF in Schulen erarbeitet.

Ein grosses Dankeschön an Thomas Minder, VSLCH und Ruth Fritschi LCH, Gérard Amyon, CLACESO und Pierre-Alain Porret, SER für die geschätzte Mitarbeit in diesem Kapitel.

Studien belegen, dass 50 Prozent aller psychischen Erkrankungen vor dem 18. Altersjahr beginnen, also schon in der Kindheit oder während der Pubertät. Im Durchschnitt dauert es zwölf Jahre, bis eine Diagnose gestellt und eine Behandlung eingeleitet wird. Bei jungen Menschen ist dies tragisch: Wenn psychische Probleme im Jugendalter als «Pubertätsproblem» verkannt und bis Mitte 20 undiagnostiziert und unbehandelt bleiben, ist klar, dass ein erfolgreicher Start ins Berufsleben und unter Umständen auch die Familiengründung dadurch behindert, wenn nicht verhindert werden.

Gleichzeitig werden psychische Belastungen, Störungen und Krankheiten immer noch stark tabuisiert. Ursachen dafür – und auch Folgen davon – sind Vorurteile, Stigmatisierung, Angst und mangelndes Wissen. Auch im Unterricht werden diese Themen nur sehr selten oder nur am Rande behandelt. Im Curriculum vieler Schulen sind psychische Gesundheit, aber auch Themen wie zum Beispiel Trauer und Verlust überhaupt nicht vorhanden. Begründet wird dies mit einem Mangel an Unterrichtsmaterialien und professioneller Fortbildung.

Bei Lehrpersonen tauchen häufig folgende Fragen auf, wenn es darum geht, psychische Gesundheit in den Unterricht zu integrieren:

  • Welche Fähigkeiten und welches Wissen muss ich haben, um Themen der psychischen Gesundheit in der Klasse unterrichten zu können?
  • Weiss ich, wie ich mit einem/einer emotional aufgewühlten, sich wegen des Themas unwohl fühlenden Schülerin/Schülern angemessen umgehen kann?
  • Bekommen Schüler:innen, die mir in der Schule auffallen, geeignete professionelle Unterstützung?
  • Wie reagiere ich, wenn Schüler:innen mir persönliche Fragen stellen?
  • Wie kann ich Privatsphäre garantieren und respektieren, wenn ich sensible Themen unterrichte?
  • Welche Pläne, Strukturen und Methoden hat die Schule zum Umgang mit psychischen Gesundheitsproblemen von Lehrpersonen und Schülerinnen/Schülern?
  • Wie benutze ich schüler:innenzentrierte bzw. offene Lehr- und Lernmethoden?
  • Wie ist die Schule auf Krisensituationen vorbereitet, die sich auf das Leben anderer auswirken könnten?
  • Wie gehe ich mit dem Thema Suizid um?

Die Ausführungen in diesem Kapitel zeigen auf, wie Lehrpersonen unterstützt und vorbereitet werden können, um der Tabuisierung entgegenzutreten. Zunächst gilt es, Rahmenbedingungen zu schaffen, um vertrauensvolle Beziehungen zu den Schülerinnen/Schülern zu ermöglichen (Kap. 5.1). Dazu gehören eine transparente Kommunikation über die Schweige- und Meldepflicht (Kap. 5.2), ein sorgfältiger Umgang sowohl mit Sprache (Kap. 5.3) als auch mit persönlichen Fragen und aufgewühlten Schülern (Kap. 5.4). Speziell konzipierte Erste-Hilfe-Kurse für psychische Gesundheit können Lehrpersonen und anderen Schulakteurinnen/-akteuren die nötige Sicherheit vermitteln und sie entsprechend entlasten (Kap. 5.5).

Beachten Sie ausserdem das Kapitel 9 «Suizidalität und die Rolle der Schule», wo das Krisenmanagement ausführlicher behandelt wird. Mit MindMatters stehen den Lehrpersonen geeignete Unterrichtsmaterialien zur Verfügung (siehe Box).

MindMatters – Unterrichtsmaterialien
Die Unterrichtsmaterialien und die Weiterbildungsangebote von MindMatters wurden speziell dafür entwickelt, Lehrpersonen bei der Überwindung von Hürden oder Hemmungen bei der Thematisierung psychischer Gesundheit zu unterstützen. Am Anfang jedes Unterrichtsmoduls sind Hinweise, Tipps, Hintergrundwissen, Hilfestellungen und themenbezogene Informationen eingearbeitet. Die Anregungen zur Unterrichtsgestaltung zeigen, wie die Theorie im Unterricht umgesetzt werden kann.

Die Unterrichtsmaterialien integrieren verschiedene Methoden und Handlungsansätze, die junge Menschen an ihrem eigenen Lernen teilhaben lassen und sie dazu herausfordern, sich mit vielleicht unangenehmen Themen auseinanderzusetzen. Alle Unterrichtsvorschläge sind mit Tipps für Lehrpersonen versehen, um auf heikle Aspekte der jeweiligen Themen aufmerksam zu machen oder um beispielhaft zu zeigen, wie Fragen formuliert werden könnten und wie man sich schwierigen Themen wie z.B. Ausgrenzung, Rassismus oder Verlust nähern kann.

Im MindMatters-Modul für die Unterrichtsentwicklung „Mit Stress umgehen – im Gleichgewicht bleiben“ (Themenheft „Coping – Konstruktiver Umgang mit Stress“) wird beispielsweise auf wichtige Unterschiede zwischen bevorzugten Copingstrategien junger Männer und Frauen hingewiesen und empfohlen, kooperative Methoden zu nutzen, in die alle Schüler:innen eingebunden werden können. Informationen unter www.mindmatters.ch/kontakt