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SchoolMatters




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3. November 2021

05 Herausforderungen im Umgang mit psychischer Gesundheit

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5.3 Die Sprache psychischer Gesundheit und Störung

Ein grosses Dankeschön an Roger Staub von Pro Mente sana für die Mitarbeit in diesem Kapitel.

Psychische Erkrankungen sind auch heute noch in vielen Gesellschaften tabuisiert. Zu Themen, über die nicht gesprochen wird, fehlen uns Vorstellungen, Wissen und eine adäquate Sprache. So auch beim Thema psychische Gesundheit und psychische Beeinträchtigungen. Zur Tabuisierung gehören auch Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung. Psychisch schwer kranke Menschen wurden bis vor wenigen Jahrzehnten in stationären psychiatrischen Einrichtungen «versorgt» bzw. weggesperrt. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Trotzdem grenzen wir Menschen, die psychisch belastet sind, aus, indem wir z.B. abwertende Begriffe gebrauchen wie «Klapsmühle», «schwachsinnig» oder «geisteskrank». Mit solchen Wörtern machen wir einen Unterschied zwischen uns und den anderen.

Menschen, die bei sich merken, dass «etwas mit ihrer Psyche nicht stimmt», neigen deshalb aus Angst vor Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung dazu, ihre Probleme zu verbergen und sich keine Hilfe zu holen. Sie schweigen und leiden, wodurch sich die unbehandelte psychische Beeinträchtigung über die Zeit noch verschlimmert (vgl. auch Kapitel 6).

Lehrpersonen können durch ihre Sprache, die Vermeidung abwertender Bezeichnungen, eine bewusste Wortwahl und die selbstverständliche Verwendung korrekter (Fach-)Begriffe einer Stigmatisierung vorbeugen. Häufig werden auch im Lehrpersonenzimmer Begriffe wie „Nervenzusammenbruch“ oder „Kollaps“ gebraucht, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass diese Begriffe oft mit Abwertung oder der Zuschreibung von Schwäche verbunden werden. Möglicherweise wäre es angebrachter, z.B. von „Problemen“ zu sprechen. Die Alltagssprache von Lehrpersonen beeinflusst auch, wie Schüler:innen sich selbst wahrnehmen.

Zudem sollten Lehrpersonen unbedingt vermeiden, Schüler:innen mit Labels (diskriminierende Beschreibungen) zu versehen, z.B. aufgrund ihres Aussehens, Intellekts, Geschlechts, sozioökonomischen Status, familiären Hintergrunds, körperlichen Aussehens, Behinderung oder ihrer sexuellen Ausrichtung. Labels degradieren junge Menschen zu Stereotypen und stellen eine potenzielle Gefährdung für ihre psychische Gesundheit dar.

Für eine gesundheitsförderliche Unterrichtsatmosphäre ist es wichtig, dass Lehrpersonen Stereotypen, Mythen oder Fehlinterpretationen zu Themen wie z.B. Kultur, psychischen Belastungen oder Mobbing nicht aufrechterhalten oder weitergeben. Lehrpersonen sollten nicht bewerten, sondern durch die Vermittlung von Wissen zum Abbau von Vorurteilen beitragen und den Schülerinnen/Schülern die Möglichkeit zum Hinterfragen geben.