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SchoolMatters




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21. September 2021

01 Psychische Gesundheit und Bildung

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Junge Erwachsene in der Schule

1.2 Einflussfaktoren und Akteurinnen/Akteure

Um die psychische Gesundheit und den Bildungserfolg der Schüler:innen zu stärken, sind mehrere Ebenen, Faktoren und Akteurinnen/Akteure zu berücksichtigen. Die folgende Grafik gibt einen Überblick und zeigt, wie sie im Feld der Schule zusammenhängen. Die Rahmenbedingungen sowie Partner:innen der Schule (Eltern, Fachstellen, ausserschulische Akteurinnen/Akteure etc., vgl. Kapitel 3.4) sind zusätzliche Einflussfaktoren. Einen besonderen Stellenwert nehmen die Beziehungen unter den Akteur:innen ein – insbesondere zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen/Schülern (vgl. auch Kapitel 3.5 und 4.1).

1.2 Zusammenhänge Abbildung: Akteurinnen/Akteure und Zusammenhänge im Feld der Schule [1]

Die Behörden als Arbeitgebende sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Hauptverantwortung für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz in Schulen zu tragen. Dies schliesst die psychische Gesundheit ein. Indem sie und die Schulen Massnahmen ergreifen und Arbeitsbedingungen schaffen, die die Belastungen von Schulleitenden und Lehrpersonen reduzieren und ihre Ressourcen fördern, tragen sie wesentlich zu deren Gesundheit bei. Diese ist wiederum entscheidend für die Unterrichtsqualität und den Bildungserfolg der Schüler:innen.

Deshalb zeichnet sich eine gesundheitsfördernde Schule dadurch aus, dass sie Entscheidungen stets auch im Hinblick darauf fällt, welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit aller Schulmitglieder haben können. Auch die Gestaltung der Arbeitsumwelt (z.B. Unterrichtsräume, Lärm, Luftbeschaffenheit) beeinflusst den Schulalltag und die Gesundheits- und Bildungsergebnisse.

Empfehlungen für die Behörden und die Schulen zur Förderung der Lehrpersonengesundheit finden sich im Kapitel 2.3.

Die Schulleitung beeinflusst mit ihrem Führungsstil und ihrer Persönlichkeit das Klima an einer Schule nachhaltig, indem sie zum Beispiel bei folgenden Themen ansetzt: Identität der Schule, Zusammenarbeit, Gemeinschaftsgefühl, sorgfältige und engagierte Führungsarbeit.

Studien zeigen ausserdem, dass sich eine transformationale Führung (vgl. Kapitel 3.3) besonders positiv auf die Arbeitszufriedenheit, das Commitment und Wohlbefinden der Lehrpersonen auswirkt und Burn-outs vorbeugen hilft. Das Schulleitungshandeln beeinflusst aber auch das Wohlbefinden und den Lernerfolg der Schüler:innen (vgl. Kapitel 3). Damit Schulleitende ihre Aufgaben gut erfüllen und zur Gesundheitsförderung der Lehrpersonen und der Schüler:innen beitragen können, müssen auch sie gesund sein. Ihre Gesundheit ist Thema im Kapitel 2.1.

Lehrpersonen – hiermit sind Lehrpersonen aller Bereiche gemeint - sind die engsten Bezugspersonen der Schüler:innen und haben einen entsprechend grossen Einfluss auf deren Gesundheit und Bildungserfolg. Die Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern spielt dabei eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die Gestaltung des Unterrichts. In beiden Fällen sind das Wohlbefinden, die Gesundheit und eine positive Haltung der Lehrpersonen zentral: Es sind die leidenschaftlichen Lehrpersonen, die den grössten Einfluss auf die Lernenden haben.

Aber nur gesunde Lehrpersonen vermögen gute Beziehungen zu den Kindern aufzubauen und einen fördernden Unterricht zu gestalten. Da der Lehrberuf hohe Belastungen mit sich bringt und die Gefahr des Ausbrennens hoch ist, braucht die Gesundheit der Lehrpersonen besondere Aufmerksamkeit – und sie sind auf gute Rahmenbedingungen angewiesen. Die Lehrpersonengesundheit sowie Massnahmen und Empfehlungen zu ihrer Förderung werden in den Kapiteln 2.2 und 2.3 detailliert behandelt.

Schulklima

Ein positives Schulklima unterstützt kooperatives Lernen, Respekt sowie gegenseitiges Vertrauen und wirkt sich damit günstig auf die Lernumwelt aus. Es fördert u.a. auch die für den Lernerfolg wichtige Selbstwirksamkeit der Schüler:innen. Es gibt zudem Hinweise, dass ein gutes Klima den Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds der Schüler:innen abschwächt. Ein gutes Schulklima ist aber auch eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit der Schulleitenden und der Lehrpersonen sowie für die Beziehungen zwischen allen Akteurinnen und Akteuren einer Schule. Kapitel 3.1 geht ausführlich auf die Rolle des Schulklimas ein.

Unterrichtsqualität

Dass die Qualität des Unterrichts das Wohlbefinden und den Lernerfolg der Schüler:innen beeinflusst, wurde mehrfach wissenschaftlich bestätigt. Steigern lässt sich die Qualität durch Lehr- und Lernkomponenten wie z.B. ein lebensnaher und personenzentrierter Unterricht, wobei auch das soziale Klima in der Klasse entscheidend ist. Die Unterrichtsqualität wird ausserdem wiederum von der Gesundheit der Lehrpersonen und der Schulleitungen beeinflusst. Was qualitativ guten Unterricht ausmacht wird in den Kapiteln 3.5 und 3.6 besprochen.

Die Bedeutung guter Beziehungen

Gute Beziehungen wirken als Glücksquelle und Puffer gegen Stress und sie motivieren und steigern die Lern- und Leistungsbereitschaft. Langandauernde Beziehungsstörungen bewirken hingegen eine dauerhafte Aktivierung der Stress-Gene, was zu Herz-Kreislauf-Problemen, Schlafstörungen oder Depressionen führen kann. Auch Aggression (Unterrichtsstörungen, Respektlosigkeit, Gewalt) oder Resignation (Lernverweigerung) sind häufige Folgen von Beziehungsstörungen.

Besonders wichtig ist die Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler:in. Sie wirkt sich auf das Wohlbefinden beider aus, auf die Anpassungsfähigkeit an die soziale und akademische Umwelt und die psychosoziale Entwicklung der Kinder. Eine besondere Bedeutung scheint die Lehrer:in-Schüler:in-Beziehung für leistungsschwächere und sozial benachteiligte Kinder zu haben. Es gibt auch Hinweise, dass eine gute Beziehung bei Schülerinnen und Schülern mit auffälligem Verhalten als Schutzfaktor gegen die Entwicklung von weiteren Verhaltensproblemen im Jugendalter wirkt. Eine gute Beziehungsqualität begünstigt ausserdem prosoziales Verhalten und unterstützt die Vorbildwirkung der Lehrperson. Wichtige Faktoren für den Aufbau einer positiven Beziehung sind unter anderem das Wohlbefinden der Lehrpersonen (vgl. Kapitel 2.2), die Fähigkeit, eigene Emotionen und diejenigen der Schüler:innen zu verstehen (vgl. u.a. Kapitel 3.5) und der Schutz der Privatsphäre (vgl. Kapitel 4.1 und 4.2).

Gute Beziehungen sind aber auch unter den anderen Mitgliedern einer Schule von grosser Bedeutung für deren Wohlbefinden sowie für das Schulklima – ein gutes Schulklima begünstigt umgekehrt den Aufbau guter Beziehungen (vgl. Kapitel 3). Es hat sich gezeigt, dass ein Gefühl der Verbundenheit zur Schule junge Menschen wesentlich vor psychischen Störungen schützt. Lehrpersonen wiederum, die sich mit der Schulleitung und im Kollegium vertrauensvoll austauschen können und Unterstützung finden, laufen weniger Gefahr, an einem Burn-out zu erkranken.

Auch die Beziehungen zu den Eltern, ausserschulischen Akteurinnen/Akteuren, Fachstellen, schulzugewandten Diensten etc. sind entscheidend – insbesondere, wenn es darum geht, schwierige und belastende Situationen (z.B. Mobbing-Vorfälle oder einen Suizid) gemeinsam zu meistern (vgl. Kapitel 7 und 8), partizipative Prozesse anzustossen und gemeinsam eine Schulkultur nachhaltig zu entwickeln (vgl. Kapitel 3.4).

1    Achermann Fawcett, Keller & Gabola (2018)